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Führerschein mit Ü30 – So bestehst du die Prüfung

Es gibt verschiedene Gründe, warum Menschen keinen Führerschein machen. Oftmals aus finanziellen Gründen, selten aus ideellen Gründen, manchmal aber weil sie einfach keine Lust haben. Das Ganze endet dann schließlich in Gewohnheit. Man arrangiert sich, man lässt sich fahren, man nimmt die Bahn, im Sommer das Fahrrad und klopft sich zwischendurch auf die Schulter für das lobenswerte Umweltbewusstsein.

Ich bin bisher ziemlich gut damit zurecht gekommen. Nach dem Abi bin ich zum Studieren nach Köln gezogen, hier fährt die Bahn alle paar Minuten, das hat mich damals ziemlich beeindruckt.

Während des Studiums fällt keinem auf, dass du keinen Führerschein hast, die meisten Studenten haben eh kein eigenes Auto. Und wenn es doch mal zur Sprache kommt, sagst du einfach du brauchst keinen oder du würdest aus „Umweltgründen“ verzichten. Alles was halbwegs idealistisch klingt wird akzeptiert – vor allem wenn man wie ich Philosophie studiert.

Es gibt Leute, die bleiben dabei und machen ihn nie. Die meisten jedoch entscheiden sich später dann doch dafür, dem Club der autonomen Autofahrer beizutreten.

Und auch mich hat das Angewiesen-Sein auf Freunde, Familie und Kollegen irgendwann gestört. Seit ich 27 bin, nehme ich mir vor „jetzt aber wirklich“ den Führerschein zu machen. Bis es dann dazu kam, hat es dann nochmal fünf Jahre gedauert.

Hier meine 5 Learnings aus der Kategorie „Führerschein machen als Erwachsener“:

1. Du bist nicht allein

Bevor ich angefangen habe, war eine meiner Horrorvorstellungen zwischen lauter 17- und 18-jährigen im Theorieunterricht zu sitzen, die sich alle fragen, was die Tante hier macht. Als es dann schließlich in die erste Theoriestunde ging, war ich nicht mal die älteste im Raum. Da war Jörg, 43, der endlich einen neuen Job hat und dafür einen Führerschein benötigt und Sabine, 52, die sich von ihrem Mann getrennt hat und damit keinen mehr hat, der sie morgens zur Arbeit fährt.

Tatsächlich, so sagte mir mein Fahrlehrer später, ist es in der Großstadt gar nicht so selten, dass Personen ihren Führerschein erst spät machen. Durch die Möglichkeit alles einfach mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder zu Fuß zu erreichen, besteht in der Stadt nicht so viel Notwendigkeit den Führerschein schon mit 17 zu machen. Anders als auf dem Dorf, da sitzt du dann höchstwahrscheinlich doch mit Justin und Tabea zusammen, die sich parallel auf ihr Abi vorbereiten. Das macht aber nichts, man wird dich dafür bewundern, was du dir „in dem Alter“ noch alles vornimmst.

2. Je kleiner der Ort, desto schneller der Führerschein

In der Großstadt seinen Führerschein zu machen, ist eine Herausforderung. Nicht nur, weil du erstmal überfordert damit bist „die Kupplung langsam kommen zu lassen“, du musst gleichzeitig darauf achten, im Verkehrstrubel keine Radfahrer umzufahren oder auf der Kreuzung mit den vier Spuren, von denen einige wegen einer Baustelle durchgestrichen und kryptisch wieder aufgemalt sind, nicht in den Gegenverkehr reinzufahren.

Klar, der große Vorteil ist, ihr seid direkt im Haifischbecken mitgeschwommen. Viele, die auf dem Dorf ihren Führerschein gemacht haben, bekommen erstmal Panik, wenn sie in die Stadt reinfahren sollen. Aber ganz ehrlich, eine Herausforderung ist es so oder so.

Statistisch dauert es auf Grund des Schwierigkeitsgrades in der Großstadt länger seinen Führerschein zu machen, die Durchfallquoten sind höher. Falls ihr also schon vermutet, dass euch der Großstadtverkehr überfordern könnte und ihr es euch einfacher machen wollt, macht es vielleicht Sinn, sich nicht nicht zentralste Fahrschule in Berlin oder Köln zu suchen, sondern eine in Rodenkirchen – zum Beispiel.

3. Vertrauensvorsprung – Souveränität ausstrahlen

Ein großer Vorteil, den du als erwachsener Prüfling hast ist, dass der Fahrlehrer und Prüfer, dir von Anfang an mehr Vertrauen entgegenbringen – ein Vorurteil zu eurem Gunsten. Ein Tipp den ich für die Prüfung geben kann ist: Sprecht mit dem Prüfer respektvoll, aber auf Augenhöhe. Stellt euch vor, druckst nicht rum, und wenn ihr irgendwo unsicher seid, artikuliert es.

Es wird in der Prüfung höchstwahrscheinlich zu Situationen kommen, in denen ihr unsicher seid, wie ihr euch richtig verhalten müsst. Viele, vor allem jüngere Fahrschüler, trauen sich nicht zu fragen und begehen Fehler, die durch einen hilfreichen Hinweis hätten vermieden werden können, in der Hoffnung, dass der Prüfer es nicht bemerkt. Leider bemerkt der aber alles und lässt euch durchfallen.

Sitzt also nicht komplett schweigend da, sondern teilt mit, was euch auffällt und kommentiert, warum ihr in besonderen Situationen eine bestimmte Entscheidung getroffen habt. Das macht euer Verhalten, auch wenn es nicht 100 Prozent korrekt ist, nachvollziehbar und strahlt Souveränität aus.

4. Fahrschulvideos gucken

Es gibt eine Sache, die mir unglaublich geholfen hat, durch die Fahrschule und Prüfung zu kommen: YouTube.

Auf YouTube findest du zahlreiche Videos von Fahrlehrern, die Prüfungssituationen nachfahren, euch die Fahrzeugbedienung erklären oder echte Fahrstunden filmen. Ich habe mir die Videos immer vor und nach den Fahrstunden angeschaut. Damit konnte ich nicht nur, dass was ich in den Fahrstunden gelernt und selbst erlebt habe, auffrischen, es hat mich auch sehr beruhigt zu sehen, dass andere Fahrschüler ähnliche Fehler machen wie ich.

Vor allem wenn ihr einen Fahrlehrer erwischt, der nicht so gut erklären kann und euch nicht weiterhilft, sind die Videos eine große Hilfe.

Hier zwei Kanäle, die ich regelmäßig geschaut habe:

Gerd Moll Onlinefahrlehrer
Die Internetfahrschule

 

5. Hör auf dir Druck zu machen – freu dich lieber

Wenn du den Führerschein dann hast, fängt das „richtige Autofahren“ erst an. Wenn es etwas gibt, was du dir von deinen 17-jährigen Mitstreitern abgucken kannst, dann ist das Gelassenheit und Freude über die Unabhängigkeit, die mit dem Führerschein kommt. Je älter man wird, desto mehr Perfektion erwartet man von sich selbst. Man will von Anfang an so gut sein, wie die anderen Erwachsenen, so gut einparken wie die Kollegin, so schnell reagieren wie der Freund.

Während die jüngere Generation sich mit gleichaltrigen, unerfahrenen Autofahrern vergleicht, vergleichen wir uns mit Leuten, die wahrscheinlich schon zehn Jahre Fahrerfahrung haben. Das frustriert.

Mach dir klar, dass es ganz selbstverständlich ist, unsicher zu sein und Fehler zu machen. Freu dich lieber auf die Zeit, wenn du endlich selbst zum IKEA fahren kannst, anstatt deine beste Freundin fragen zu müssen, ob sie zufällig am Samstag Lust hat mit dir Kerzen kaufen zu fahren.

Ich hatte am Anfang immer Angst davor, was andere Autofahrer von mir denken könnten und davor angehupt zu werden, wenn ich Fehler mache. Bis mir klar geworden ist: Du bist nicht die einzige, die nicht perfekt Auto fährt. Nimm es nicht persönlich, irgendwann kannst du dich rächen und deine Mitmenschen ebenfalls wegen Kleinigkeiten anhupen. Karma.

 

Hier ein Video davon, wie ich das erste mal Auto gefahren bin. Mittlerweile ist es besser, versprochen.

 

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