JOB UND KARRIERE

Girlboss – Warum gründen Frauen nur kleine Unternehmen?

Vielleicht es es meine subjektive Wahrnehmung, aber in meinem Umkreis machen sich immer mehr Frauen selbstständig. In regelmäßigen Abständen werde ich zu Veranstaltungen eingeladen, in denen Frauen, die sich ihr eigenes Business aufgebaut haben, netzwerken und Vorträge halten – meistens über Ängste und wie man sie überwindet.

Und tatsächlich bestätigt eine aktuelle Auswertung des Gründungsmonitors der staatlichen Förderbank KfW diese Entwicklung. Zwar machen Frauen unter den Start-Ups nur ein Drittel aus, aber es haben im vergangenen Jahr 216.000 Frauen in Deutschland ein Unternehmen gegründet. Das sind vier Prozent mehr als im Vorjahr.

Eigentlich gut, denke ich, dass so viele Frauen sich mitlerweile in die Selbstständigkeit trauen. Schließlich sind die Aussichten auf überdurchnittliches Einkommen und ein selbstbestimmtes Leben hier um einiges höher als in der Festabstellung.

Und trotzdem beschleicht mich in letzter Zeit das Gefühl, dass es für uns Frauen nicht ganz so rosig ist, wie es scheint. Wenn Frauen auf Veranstaltungen von ihrer Selbstständigkeit erzählen, höre ich von Tina mit ihrem eigenen Dekoladen, von Julia, der Hochzeitsfotografin und von Sonja, mit dem kleinen Café. Und ich frage mich, wo sind die Frauen, mit dem großen Business? Und geht dieses neue Selbstbewusstsein auch damit einher, dass Frauen innerhalb von Angestelltenverhältnissen mehr Führungspositionen übernehmen? Warum gründen Frauen überhaupt?

Frauen gründen anders

In diesem „Warum“  liegt schließlich die Antwort darauf, warum Frauen zwar immer häufiger gründen, das big business aber häufiger ausbleibt.

Wenn man nach Exertenmeinungen und Studien im Netz recherchiert, bildet sich eine klare Tendenz: Frauen gründen häufiger aus der Not heraus, um Familie und Arbeit vereinen zu können. Sie sehen innerhalb von Unternehmen oftmals keine Möglichkeit Kinder zu kriegen und trotzdem Führungspositionen zu übernehmen. Bekannterweise ergattern Frauen aber auch ohne Kinder seltener Führungspositionen als Männer. Die Selbstständigkeit wird hier als Ausweg aus der Alternativlosigkeit aufgenommen.

Und dann gibt es noch einen weiteren entscheidenden Unterschied: Das Motiv.

Während Männer häufiger eine gewinnbringende und innovative Geschäftsidee umsetzen wollen, gründen Frauen eher aus dem Wunsch der Selbstverwirklichung heraus und auch um gesellschaftlich-soziale Ziele zu verfolgen. Gewinn ja, aber nicht um jeden Preis und möglichst mit wenig Risiko. Damit gründen Frauen eher regionale Kleinunternehmen. Hohe Umsätze und schnelles Wachstum haben eher bei Männern einen hohen Stellenwert. Das bestätigt auch der Female Founders Monitor. Es ist das Testosteron, maybe.

Ich möchte das möglichst wertfrei betrachten und frage mich doch: Bringt uns das wirklich weiter? Ein Business aus einem ethischen Hintergrund heraus zu gründen ist löblich, ich würde mir trotzdem mehr Frauen als Gründerinnen der zukünftigen Großkonzerne wünschen, um tatsächlich positive Macht auf den Markt, die Gesellschaft und die Politik ausüben zu können.

Selbstständigkeit? Ja und mit weniger Zurückhaltung bitte

Geh dein Business von Anfang an richtig an, setze auf innovative Geschäftsfelder, trau dich auch groß zu denken und in Geschäftsfelder einzusteigen, die vielleicht sogar einen höhren Finanzierungsbedarf haben.

Wichtig ist es dabei mit einem Geschäftssinn, anstatt nur im Rahmen der persönlichen Präferenzen zu denken – jedenfalls dann, wenn du wirklich Geld damit machen willst.

Mut zu mehr Risiko und damit zu schnellerem Wachstum. 

Das ist sicher nicht einfach, auch hier gibt es zahlreiche Studien, die aufzeigen, dass Frauen weniger Risikokapital von Investoren gegeben wird als Männern, weil ihren Geschäftsideen weniger vertraut wird. Aber das Kapital ist da, es gibt nicht wenige staatliche und private Fördermittel, für junge Gründerinnen. Hier findest du eine ganz gute Übersicht, über verschiedene Fördermöglichkeiten.

Grundsätzlich solltest du dir bei der Entwicklung deiner Geschäftsidee vier Fragen stellen:
  • Löst mein Business ein echtes Problem?
  • Passt es zu meiner Persönlichkeit und meinen Stärken?
  • Ist der Markt und der Bedarf groß genug, um genug Umsatz zu machen?
  • Optimalerweise: Ist das Business skalierbar, um möglichst ohne große weitere Investitionen wachsen zu können?

Mit einem zukunfts- und erfolgsorientierten Geschäftsmodel, das du unter den Aspekten der Wirtschaftlichkeit verargumentieren kannst, steigen deine Chancen auf eine Förderung und Fremdfinanzierung deiner Idee.

Ich persönlich erhoffe mir jedenfalls, nicht nur mehr selbstständige Frauen, sondern auch Frauen, die ihr Können und ihren Mut als gegeben ansehen, anstatt diese zu hinterfragen. Ich nehme an, wir sind auf dem richtigen Weg, wenn wir beharrlich bleiben. Und vielleicht wird dann auf zukünftigen Frauen-Netzwerk-Events nicht mehr so viel über Ängste, sondern mehr über Erfolge gesprochen.

Ein Kommentar

  • Daniela

    Super Artikel! Ist mir auf Netzwerkevents für Frauen auch schon aufgefallen. Wir brauchen mehr Frauen in Spitzenpositionen und nicht mit Blumenlädchen

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