JOB UND KARRIERE

Gute Geschichten – Texterin Antigoni im Interview

Words are how we think, stories are how we link.

Christina Baldwin

Storytelling als Buzzword ist aus dem aktuellen Marketingsprech nicht wegzudenken. Marken wollen mehr als Werbung machen, sie werden selbst zu Publishern und dazu braucht es guten Content. Menschen wollen wieder echte Geschichten lesen, anstatt von Werbebannern erschlagen zu werden.

Dazu braucht es gute Texter wie Antigoni Tsengelis. Texter arbeiten in vielen Bereichen von Print bis Online, für Unternehmensblogs oder Onlineshops. Die Projekte sind vielfältig vom SEO-Text bis hin zur emotionalen Story.

Antigoni habe ich bei der Eröffnung eines Co-Working Space in Köln kennengelernt. Wie das im Rahmen solcher Events so ist, kommt die Frage „Und was machst du so?“ relativ schnell auf. Und ebenso schnell kam mir die Frage nach einem Interview über die Lippen.

Ich bewundere Menschen, die aus einem bestimmten Talent oder Handwerk heraus ihr Können zur Selbstständigkeit machen. Kein 9 to 5, kein „ich bin in den Job so reingerutscht“, sondern eine Tätigkeit aus Leidenschaft, der Überzeugung von den eigenen Fähigkeiten und mit dem Gefühl der Unabhängigkeit. Jedenfalls stelle ich mir das so vor.

Im Interview erzählt Antigoni, wie sie zum Schreiben gekommen ist, über ihren Weg von der Festanstellung zur Freelance-Texterin und was guten Content wirklich ausmacht.

Was ist dein Job, Antigoni?

Offiziell bin ich Texterin in der Werbebranche. Ich sage aber gerne: Mein Job ist es, Geschichten zu erzählen, Bilder in den Köpfen zu kreieren und so emotionale Bezüge zu einer Marke oder einem Produkt als auch eine Identifikation herzustellen und so mit dem möglichen Mehrwert eine Handlung herbeizuführen. Und das durch die Macht der Worte – mal in einer prägnanten Headline, mal in einer längeren Copy.

Erzähl mal ein bisschen von deinem Werdegang. Wo hast du angefangen, wie bist du dazu gekommen als Texterin zu arbeiten? 

Ich habe mich schon immer für die unterschiedlichsten Dinge interessiert: Hip-Hop und Philosophie, Kunst und Quantenphysik, Fashion und Humanismus, Interkulturalität und Rap.

Und ich schreibe, seit ich denken kann – okay, vielleicht seit ich schreiben kann – in meiner frühen Jugend habe ich damit begonnen, Poesie zu schreiben. Sprache hat mich schon immer fasziniert. Dass ich letztendlich Germanistik, Philosophie und Klassische Literaturwissenschaften studiert habe, war dann keine Überraschung.

Nach dem Studium habe ich mich in PR Agenturen umgesehen und währenddessen ein weiteres Studium, Kommunikationsmanagement, angefangen. Ich bin bei einer großen, digitalen Kreativagentur eingestiegen, habe dort noch während des Studiums im Office gestartet und mich dann ziemlich schnell in der Redaktion breitgemacht, sodass ich nach Ende des Zweistudiums übernommen wurde. Insgesamt bin ich dort knapp neun Jahre geblieben. Dort bin ich den Weg von der jungen Redakteurin zur Senior Texterin gegangen.

Warum der Schritt von der Festanstellung zur Selbstständigkeit?

Die Selbstständigkeit war ein schon immer vorhandenes Thema. Als junges Mädchen habe ich immer vom autonomen, freien Künstlerleben geträumt, weil ich mich dem Schreiben, der Poesie und der Kunst verbunden gefühlt habe.

Ich habe mich eigentlich nie klassisch im Büro als Angestellte gesehen.

Die Gesellschaft, das Sicherheitsdenken der Eltern, aber auch die eigene mangelnde Erfahrung und der fehlende Mut sagen einem dann, besser den klassischen Weg mit festem Job zu gehen – was auch gut ist, um eben Erfahrungen zu sammeln und sich eine Sicherheit und Grundlage aufzubauen, auch in emotionaler Hinsicht. Schwierig wird es dann nur, wenn man nicht den richtigen Moment abpasst, um seinen eigenen Weg weiterzugehen.

Einige Jahre schon vor meiner Kündigung wurde der Wunsch nach der Selbstständigkeit und dem Umsetzen meiner (Herzens-)Projekte immer lauter. Da hatte ich aber noch viel zu viel Schiss und war noch viel zu festgefahren in meinem Hamsterrad, um entsprechende Entscheidungen zu treffen und erste Schritte zu gehen. Man wird aber definitiv nicht gesünder und zufriedener, wenn man dann so weiter macht und als Wildkatze das Leben einer Hauskatze führt – das arbeitet ja alles unterbewusst.

Ich habe dann mal innegehalten und geguckt, was passiert. Plötzlich sind mir Dinge klar geworden und ich konnte mich zu einer Entscheidung durchringen – endlich! Der Schritt zur Selbstständigkeit war also bloß eine Frage der Zeit – bzw. des vorhandenen Mutes.

Was waren die ersten Schritte, als du beschlossen hast dich selbstständig zu machen?

So das Übliche: Zum Arbeitsamt gehen, ein Businesscoaching machen, einen Businessplan aufstellen, sich mit so sexy Themen wie Versicherung, Finanzamt und Steuern auseinandersetzen und nebenbei die ersten Aufträge generieren.

Die Sache mit dem Businessplan kann ich übrigens nur wärmstens empfehlen, schon alleine um sich selber bewusst zu machen, was das freiberufliche Arbeiten alles mit sich bringt – aus strategischer und monetärer Sicht.

Wie sieht eine typische Woche bei dir aus?

Im Moment noch ist alles ziemlich fließend, was Arbeit und „Freizeit“ betrifft, da ich nach einem Jahr Selbstständigkeit noch mitten in der heißen Anfangsphase stecke. In der Regel checke ich montags oder bereits sonntags meine Termine, Deadlines und To-dos für die anstehende Woche bzw. die nächsten beiden Wochen und lege los. Zu tun gibt es gerade glücklicherweise reichlich.

Prinzipiell habe ich ja das Gefühl, dass es keine so wirklich typische Woche für mich gibt was Kunden, Termine, Veranstaltungen und das Arbeiten an eigenen Projekten betrifft – und genau diese Vielseitigkeit und Möglichkeiten reizen mich.

Aber ein gewisser Rahmen existiert natürlich schon und das ist mir auch wichtig. Ich merke immer wieder, wie ich etwas mehr Struktur sehr willkommen heiße. Das kann zum Beispiel sein, zwischendurch direkt beim Kunden im Büro zu arbeiten.

Generell muss man seinen inneren Schweinehund, der manchmal ein ziemlich hartnäckiger Terrier sein kann, zumindest überwiegend im Griff haben, sonst funktioniert das Ganze mit dem selbstständigen Arbeiten nicht – und ein strukturierter Ablauf hilft mir persönlich da schon.

Welche Fähigkeiten sollte ein guter Texter haben?

Neben Sprachgefühl als Grundvoraussetzung ganz klar Empathievermögen, um sich immer wieder in neue Kunden, Nutzer und Zielgruppen hineinversetzen zu können. Außerdem Flexibilität und Andersartigkeit – vor allem im Denken – den Mut Dinge anders anzugehen und möglichst keine Angst davor zu haben, mit seinen Ideen zu überzeugen – im Übrigen auch sich selber.

Es kommt nicht selten vor, dass ich mich mit zwei, drei Geschäftsleuten am Tisch befinde und da braucht es Selbstbewusstsein, Empfehlungen auszusprechen und vor allem aber auch durchzusetzen – wenn man davon überzeugt ist, dass sie für den Kunden einen Mehrwert bieten.

Als Freelancer zu arbeiten bedeutet auch immer: Kundenakquise. Wie stellst du das an und was sind deine Tipps, wenn man erst anfängt ein Kundennetzwerk aufzubauen?

Glücklicherweise habe ich mir über die Jahre ein ziemlich gutes Netzwerk aufgebaut – dessen ich mir selber gar nicht so bewusst war, bis ich dann auf eigenen Beinen stand und die Leute ziemlich schnell auf mich zukamen. Das bedeutet aber selbstverständlich nicht, dass ich mich darauf ausruhe und nicht weiterhin nach Kunden umsehe – das ist ja auch das Spannende daran, sein eigener Boss zu sein.

Ich bin extrem viel unterwegs, grundsätzlich neugierig und interessiert und kann ziemlich gut auf Menschen zugehen – ich glaube, das erleichtert auch eine Akquise, weil sich solche Gespräche für mich meist ganz natürlich entwickeln.

Als Tipp gerade für den Anfang kann ich sagen: Immer und überall den Leuten sagen, was man macht und seine Kompetenz anbieten – und sich dabei nicht zu schade sein, auch mal was für den „Bäcker um die Ecke“ zu machen, wieso auch – das sind oft eh die dankbarsten Kunden und die einem auch freie, kreative Hand lassen.

Man darf und sollte aber auch seine Prinzipien vertreten – diesen „Luxus“ schaffst du dir ja als Freiberufler.

Erst kürzlich habe ich einen Kunden bzw. eine Agentur abgelehnt, weil ich für einen ihrer Kunden aus der Pharmaindustrie hätte Projekte umsetzen sollen. Ich sehe diese generell als sehr kritisch und mir war schnell klar, dass ich dem nicht meine Zeit widmen werde.

Was wäre dein Traumkunde? Wer braucht dringend deine Texte?

Prinzipiell sind meine Traumkunden Unternehmen bzw. Menschen, die leidenschaftlich bei der Sache sind und mit ihrem Produkt und ihrer Marke nicht nur an sich, sondern auch an andere und nachhaltig denken – die mehr als nur gutes Marketing machen wollen, um sich die eigenen Taschen vollzumachen. Mir ist klar, das ist schon auch idealistisch gedacht, aber gerade in der Startup-Szene gibt es wirklich viele leidenschaftliche Jungunternehmer, die eine Idee haben, mit der sie mehr als nur ihren persönlichen Traum erfüllen, sondern eben auch ihre Umwelt positiv beeinflussen wollen.

Ich bin der Meinung, dass wir nicht vergessen dürfen, welchen Job auch immer wir machen und auch völlig egal, in welcher Position, ob Einsteiger oder CEO, wir tragen Verantwortung und es geht längst nicht mehr nur darum, sich das eigene Arbeitsleben bis zur Rente möglichst nett und gemütlich zu gestalten, sondern sich vielmehr Gedanken darum zu machen, wie wir unsere Fähigkeiten auch für globalere Ziele, die über unser eigenes, bescheidenes Leben hinausgehen, einsetzen können. Und sei es „nur“ für unser unmittelbares Umfeld – das ist ja ohnehin immer der Anfang.

Wenn ich es mir also aussuchen könnte, dann wären es Organisationen wie die Welthungerhilfe, SOS-Kinderdörfer, Greenpeace usw. – und dann nicht nur mit Texten, sondern auch vor Ort informieren und mit anpacken.

Alle sprechen von Content – was macht deiner Meinung nach guten Content aus?

Guter Content ist mehr als nur die treffende Beschreibung einer Sache – auch wenn diese oft gefragt ist. Guter Content öffnet neue gedankliche Welten: Er stellt völlig neue Zusammenhänge her, manchmal bringt er zum Schmunzeln, manchmal zum Nachdenken und sehr guter Content schafft es, dann zu überzeugen. Auch indem er einzigartig ist. Der bleibt dann auch meistens langfristig im Kopf hängen.

Wärst du nicht Texterin, wärst du ….

Wie gesagt, in mir schlug schon immer ein Künstlerherz. Meine Leidenschaft zum geschriebenen Wort begann in meiner Jugend mit der Poesie, die ich bis heute schreibe und der ich durch meine Selbstständigkeit Raum zum Leben gebe und jetzt auch endlich veröffentliche – das war das Ziel dabei, von Anfang an.

Ich bin gerne Texterin, aber das ist eben nur ein Teil von mir – das selbstständige Arbeiten lässt jetzt auch die Poetin, Künstlerin, Aktivistin ausreichend zu Wort kommen. Abgesehen davon wollte ich immer Astronautin werden, das Universum fasziniert mich extrem.

Und zum Schluss: Beschreib dich mal in drei Worten 

Sprachphänomen. Extrem bescheiden. Und gar nicht ironisch.

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