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Invisalign – So fühlt sich der erste Monat wirklich an

Schöne Zähne sind eines der wichtigsten Merkmale von Schönheit, Gesundheit und Wohlstand. Ich bin von Kindheit an leider nicht damit gesegnet gewesen. Und das hatte tatsächlich, neben einer leichten Fehlstellung, auch mit nicht ausreichender Mundhygiene und einem Überkonsum an Süßigkeiten zu tun. Die Konsequenzen daraus durfte ich dann später ausbaden mit horenden Zahnarztrechnungen und der Angewohnheit auf Fotos eher mit geschlossenem Mund zu lächeln.

Seit einigen Jahren sind alle Löcher gefüllt, die Zahnseide steht einsatzbereit im Bad, die Zähne sind gebleached und trotzdem machen mit die Unebenheiten meiner Zähne zu schaffen. Die Längen im Oberkiefer sind unterschiedlich und die Zahnreihe sieht beim Lachen insgesamt nicht ebenmäßig schön aus. Fotos, auf denen ich offen lache, sehen irgendwie komisch aus.

Mein erster Gedanke: Veneers! Machen die Stars ja schließlich aus so. Kein Hollywood Celebrity ohne gleichmäßige Zahnreihe aus Keramik. Ganz so einfach ist es aber leider nicht. Meine Zahnärztin erklärte mir, dass die von mir gewünschten Veneers auf den oberen Fronzähnen bei mir eine Kieferorthopädische Vorbehandlung, also Zahnspange, brauchen, weil sie sonst – aufgelegt auch den etwas zu weit nach vorne stehenden Vorderzähnen – zu dick werden würden. Wer ein Promibeispiel dafür haben will, kann sich die zu dick geratenen Veneers von Nicky Minaj anschauen.

Eine Zahnspange zu tragen, ist nicht unbedingt etwas, dass ich mir mit 34 Jahren gewünscht habe. Aber wenn das der einzige Weg ist, einem schönen Lächeln und mehr Selbstbewusstsein näher zu kommen, her damit!

Beim ersten Besprechungstermin in einer kieferorthopädischen Privatklinik in Köln wurde ich erstmal über den Verlauf und die Kosten aufgeklärt. Die Krankenkasse bezahlt natürlich nichts. Netterweise erklärte mir der Arzt, er würde sich bemühen, mir als Kassenpatientin nicht zu viel Geld abzuknöpfen. Okay. Der Kostenvoranschlag schockt mich trotzdem. Aber wer schön sein will muss leiden, auch finanziell.

Nachdem mein Kiefer vermessen, geröngt, fotografiert und analysiert wurde, bekomme ich nach 8 Wochen endlich einen Anruf, dass meine Schienen da sind und ich zum Einsetzen vorbei kommen soll. Schon Tage vorher kann ich nicht richtig schlafen und versinke in YouTube Erfahrungsberichten.

Tag 1: Einsetzen beim Kieferorthopäden

„Das ist komplizierter als ich dachte“ – denke ich während meiner zweistündigen Sitzung beim Kieferorthopäden mindestens 10 mal. Das Schlimmste bei der Sitzung ist nicht mal das unangenehme Aufsetzen der Attachments oder das Schleifen der Zahnzwischenräume (obwohl das auch schon echt unangenehm ist), sondern das Gefühl, es nicht richtig hinzubekommen. Das Einsetzen der Invisalign Schienen ist nicht das Problem, das Rausnehmen dagegen schon. Auch die Zahnarzthelferin hat irgendwann schon einen verzweifelten Blick drauf, als es sogar mit Hilfsgerät (ein kleiner Plastikhaken) nicht so easy geht, wie sie behauptet. Als ob das nicht schon Aufgabe genug wäre, muss ich über Nacht auch noch ein Gummi zwischen die beiden Schienen spannen und sie verbinden. Klappt beim Üben erst nach dem sechsten Mal.

Als die Behandlung vorbei ist und ich mich verabschieden will lispel ich irgendwas vor mich hin, das mich selbst zum Lachen bringt. Immerhin.

Zuhause angekommen fühle ich mich wie eine Boxerin, die vergessen hat ihren Mundschutz rauszunehmen. Mist, ich habe Hunger. Jetzt müssen die Teile auch wieder raus. Nach einem kleinen Kampf im Badezimmer habe ich sie endlich raus. Das Mittagessen schmeckt eher geht so, mein Mund fühlt sich so wund an, dass ich die Nudeln eher runterschlinge als zu kauen und ich verspreche mir um 15 Uhr, dass ich heute nichts mehr essen werde. Ein bisschen fasten hat noch niemandem geschadet.

Um 19 Uhr sagt guckt mein Freund mich an und bestätigt mir einen „gequälten Blick“. Ich beschließe doch noch was zu essen. 

Immerhin hat das Tragen bisher nicht wehgetan. Den Abend verbringe ich damit mir „So trainierst du dir Lispeln ab“ YouTube Videos anzuschauen.

 

Tag 2-5:

Keine Snacks, kein ausgiebiger Morgen-Kaffee, nur Wasser trinken. Ich habe das Gefühl das Ganze ist eher eine Diät als eine Zahnkorrektur. Kein Wunder, dass man von der Invisalign-Diät spricht.

Und zu der am häufigsten gestellten Frage „Tut es weh?“: Jup, tut schon ein bisschen weh, vor allem morgens. Ich kann morgens nichts Hartes essen und esse die erste Woche erstmal nur Porridge und Pfannkuchen zum Frühstück. Es gibt Schlimmeres.

Tag 6-14:

Nach einer Woche muss ich nochmal zum Kieferorthpäden zum Nachschleifen der Zahnzwischenräume, weil die Ärztin beim ersten Mal nur mit Gewalt dazwischen kam. Ich gehe mit der Hoffnung hin, dass es sich beim zweiten Mal nicht wie ein Schlagbohrer zwischen meinen Zähnen anfühlt. Aber doch.

Immerhin habe ich in der zweiten Woche keine Schmerzen mehr, außer dauertrockenen Lippen und der eingerissenen Mundwinkel. Lispeln tue ich aber immer noch wie eine Dreijährige.

Tag 15:

Ich habe mich auf diesen Tag zum einen gefreut, hatte aber auch schon Angst, weil ich gehört habe, dass das Einsetzen neuer Schienen wieder mit Schmerzen verbunden ist. Heute ist es also so weit: Die zweiten Schienen. Ich bilde mir ein schon einen ersten Unterschied bei meinen Zähnen zu sehen und außer ein bisschen mehr Druck tut es auch nicht wirklich weh.

Tag 16-20:

Wann geht das Lispeln endlich weg? Und ich frage mich: Sind gerade Zähne wirklich so wichtig? Auch wenn meine Freunde mir versichern, man würde es kaum merken, sind mir die Schienen in wichtigen Meetings und Events unangenehm. Ich nehme sie in solchen Situationen auch für länger raus. Für das THE REAL SHIFT Event trage ich sie über sieben Stunden nicht. Als ich sie abends wieder einsetze, will die untere Schiene nicht so richtig auf meinen Unterkiefer passen. Mit etwas Gewalt geht´s dann, aber ich verspreche hoch und heilig sie nicht mehr für so lange rauszunehmen.

Tag 21 – 24:

Die Sache mit dem „Nur Wasser trinken“ gebe ich auf. Ich will meinen Morgen-Kaffee nicht in 5 Minuten runterkippen. Dann sind die Schienen eben verfärbt. Diese Entscheidung erleichtert mir nun auch die Treffen mit Freundinnen im Café. Solange ich nichts esse, lasse ich die Schienen einfach drin und putze mir die Zähne und die Schienen einfach direkt, wenn ich nach Hause komme.

Tag 25 – 30:

Wieder ein Schienenwechsel, yay. Ich freue mich schon darauf, wenn ich die Schienen nächsten Monat sogar wöchentlich wechseln kann, irgendwie motiviert es mich, die neue Packung aufzureißen und die neuen Schienen einzusetzen.

Fazit:

Ich will wirklich nicht meckern, aber es nervt. Ich habe wahrscheinlich jedes YouTube Video zu Erfahrungsberichten von selbsternannten Invisalign Experten geschaut und die Skala reicht von Horrorgeschichten bis hin zu „Ist doch nicht so schlimm.“ – Es muss also anscheinend jeder seine eigenen Erfahrungen machen. Ich jedenfalls freue mich darauf, wenn ich in zwei Monaten endlich sagen kann: Letzte Schiene!

Wie sind deine Invialign -Erfahrungen?

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