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„Na, du bist ja mutig“ – Warum du dich von den Ängsten anderer nicht verunsichern lassen solltest

Kennst du das? Du hast eben noch voller Selbstsicherheit und Gelassenheit eine Entscheidung getroffen oder bist kurz davor. Die Flugbuchung nach Argentinien für deine Soloreise, die Kündigung deines gutbezahlten Jobs, um dich selbsständig zu machen oder das Beenden einer Beziehung, weil es sich nicht mehr richtig anfühlt. Nicht einfach, vielfach überlegt, aber gemacht, weil es dir richtig und wichtig vorkommt.

Und dann wendet sich das Blatt: Du erzählst es jemandem. Man will sich ja mitteilen, Bestätigung, Rat und Zuspruch bekommen, so sind wir eben. In 90% der Fälle reagiert dein Umfeld dann aber mit einer Bandbreite an Klassikern der Entmutigung:

Also an deiner Stelle würde ich mich das nicht trauen. Na du bist ja mutig. Bist du sicher? Hast du schon Alternativen?

Ich habe diese Situationen in den letzten Monaten ziemlich oft erlebt, einfach weil dieses Jahr für mich ein Jahr des „Ich habe keine Zeit mehr zum Rumstehen, ich mach das jetzt mal“ gewesen ist. Schließlich bin ich über 30, da wird nicht mehr gewartet, sondern gemacht, jedenfalls finde ich das so.

Und das hat angefangen bei einer Solobackpacker Reise nach Brasilien und Südostasien und endete in der Entscheidung meinen langjährigen, sicheren und gutbezahlten Job bei einem Medienunternehmen zu kündigen ohne was Neues zu haben.

Na, du bist ja mutig!

Ja, schon!

 

Wenn die Zweifel anderer zu deinen werden

Und dabei könnte ich es eigentlich belassen, wenn es mich nicht doch ein bisschen wurmen würde. Denn vor allem für sensible Menschen, die für die Emotionen anderer empfänglicher sind (und das habe ich einfach mal für mich selbst diagnostiziert) führen diese Aussagen und Bewertungen oftmals zu Selbstzweifeln. Plötzlich werden die Ängste und Zweifel der anderen zu eigenen und du stellst dir die Frage, ob das wirklich alles so eine gute Idee war.

Dabei ist eine andere Frage viel interessanter: Warum macht dein Umfeld das?

Ganz einfach, weil deine Entscheidungen und Taten es den anderen unbequem machen, weil sie aufzeigen, dass es auch anders geht, dass „einfach machen“ tatsächlich eine Option ist, anstatt nur rumzumeckern und du ihr normaives „So muss es sein“ durcheinander bringst. Außerdem: Warum solltest gerade du aus einer Situation ausbrechen, in der sie sich selbst vielleicht gefangen fühlen?

Es geht um dich

Was hilft, wenn die anderen deinen Entscheidungen mit Zweifeln und einem Repertoire an „Lass das lieber sein“-Sätzen begegnen?

Erinnere dich daran, dass es um DEINE Entscheidung und DEINE Gefühle geht. Jeder Mensch hat unterschiedliche Ängste und lebt in eigenen Wahrnehmungswelten. Stelle also deine Gefühle, die du hast in den Vordergrund und nicht die der anderen.

Mach dir klar, von wem diese Aussagen kommen. Von Leuten, die selbst mutig und selbstständig Entscheidungen treffen, die nicht der Norm entsprechen? Nein, sie kommen von denen, die sich selbst nicht trauen oder ein bestimmtes Normempfinden haben – deine Eltern zum Beispiel oder die Kollegin, die selbst die ganze Zeit über ihren Job meckert, sich aber nie trauen würde, selbst einfach so zu kündigen.

Menschen sind soziale Wesen. Es gibt uns Sicherheit, wenn andere in der gleichen Situation sind wie wir. Lass dich davon nicht von deinen Plänen abbringen.

Anerkennung annehmen

In einigen Fällen ist es aber auch tatsächlich echte Anerkennung. In diesen Fällen nimm sie an, sag Danke, sprich Mut zu. Ich habe nach meiner Solo Backpackerreise oft gehört „Wow, das könnte ich nicht.“ Schön, dann sagen zu können „Doch das kannst du, es ist viel einfacher als du denkst.“

Und schließlich: Ja, wahrscheinlich bist du mutig.

Und das ist auch gut so. Ich werde diesen Artikel nicht mit einem „Sei mutig, einfach machen, carpe diem“ Absatz beenden, davon gibt es bei Instagram schon genug, aber gesteh dir deinen Mut einfach als etwas Gutes ein, als etwas worauf du stolz sein kannst. Denn mit deinem Mut bist du schon einen großen Schritt weiter, als jeder in deiner Umgebung der diesen als solchen deklariert.

Und wenn´s schief geht, biegst du einfach nochmal ab, anstatt dauerhaft auf der Stelle zu treten.

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