JOB UND KARRIERE

Vom Quereinstieg zur Selbstständigkeit – Kanika von Zuckerzahn

Kanika Kaltenberg lebt meinen persönlichen Kindheitstraum: Sie arbeitet mit Zucker und ist umgeben von einer süß duftend, pastellfarbenen Bonbonwelt, jeden Tag. Jedenfalls stelle ich mir das so vor. Dabei hatte die, durch die Vox-Sendung Die Höhle der Löwen bekannt gewordene Gründerin der Eventagentur Zuckerzahn und Betreiberin des Kölner Bonbonladens Kamellebüdchen, am Anfang ihrer Karriere eigentlich was ganz anderes vor. Für mich ist sie das beste Beispiel dafür, dass Karrierewege nicht immer gerade sein müssen, Chancen manchmal unerwartet kommen und Erfolg durchaus mit harter Arbeit zu tun hat – auch wenn man sein Geld mit Bonbons verdient.

 
Von Anfang an. Wie sieht dein Lebenslauf aus? Wie hast du angefangen und was machst du heute?

Die Geschichte geht eigentlich weit zurück und nimmt verschiedene Wendungen. Im Anschluss an unsere Abiturparty, die ich damals organisiert habe, bekam ich ein Praktikum im Kölner Prime Club angeboten. Anschließend habe ich dort auch direkt meine Ausbildung zur Bürokauffrau gemacht.

Nach zwei Jahren zwischen Party-Business und Büro-Alltag, habe ich meine Ausbildung abgeschlossen und mich dann entschieden, einen anderen, etwas ruhigeren Weg einzuschlagen und mich weiterzubilden. Neben einem Job in der Buchhaltung einer Digitalagentur, habe ich beschlossen mich durch ein Abend-Studium zur Eventmanagerin weiterzubilden. Das bedeutete in der Woche arbeiten und am Wochenende büffeln. Mit dem Diplom in der Tasche, habe ich dann direkt die Eventleitung in den Kölner Opernterrassen übernommen. Nach zwei Jahren wurde ich von einer Künstleragentur abgeworben, um dort das Künstlermanagment zu übernehmen, also wieder was Neues.

Schon da schlummerte der Wunsch in mir, mich selbstständig zu machen. Nur kurze Zeit später bin ich durch einen Zufall Stephan Löhr begegnet und wir haben fast vom Fleck weg unsere Agentur Zuckerzahn gegründet. Und genau diese Gründung und das Darausentstandene ist auch heute noch mein Daily-Business. Es fühlt sich auch nach sechs Jahren noch alles frisch an, man lernt immer noch viel dazu und entwickelt sich immer noch weiter.  

Du hast keinen „geraden“ Lebenslauf. Einige fürchten sich davor, dass sich dies negativ auf ihre Karriere auswirken könnte. Wie siehst du das?

Ich denke es kommt nicht auf den Lebenslauf an, sondern auf den Typ Mensch. Wenn man weiß, wo man hinwill, seine Stärken kennt und diese zum Job passen, kann man in vielen Berufen als Quereinsteiger anfangen. Gerade heute, wo sich viele Aufgaben mischen und Berufe nicht mehr so klar definiert sind, kann man vieles durch „Learing-by-doing“ erreichen. Erfahrungen zu sammeln und mit Persönlichkeit überzeugen ist meiner Meinung nach wichtiger als ein gerader Lebenslauf.

Es kommt nicht nur auf den Lebenslauf an, sondern vor allem auf die Persönlichkeit.

Warum hast du dich dazu entschlossen, dich selbstständig zu machen?
Für mich war es der einzige sinnvolle Schritt, nachdem ich keine Lust mehr hatte, einen Chef über mir zu haben, der mich in meinen Ideen ausbremst. Ich wollte einfach selbst Entscheidungen treffen und ausprobieren. Meine Familie und meine Freunde haben mich ab der ersten Sekunde, in der ich das erste mal darüber nachgedacht habe, mit Worten, Hilfe und auch mit Geld unterstützt, das macht es natürlich viel einfacherer, es einfach auszuprobieren.
 
Mit Zuckerzahn vermietet ihr mobile Candybars für Events. Wie kamt ihr auf die Idee und wie habt ihr sie umgesetzt?
Mein Geschäftspartner Stephan arbeitet nebenbei in der Luftfahrt als Flugbegleiter. Wir unterhielten uns über eine besondere Art, auf die unsere selbstgemachten Süßigkeiten präsentiert werden könnten. Wir gingen gemeinsam viele Gedankenspiele durch. Ich denke ein solcher kreativer Prozess ist durchaus wichtig. Einfach mal auf verschiedenen Modellen herumdenken, auch wenn mal unkonventionellere Ansätze dabei sind. Irgendwann sprachen wir über Flugzeuge, Piloten und Stewardessen. Und schon vereinten wir beide Gebiete: Flugzeugtrolleys als mobile Candybars. Anfangs stand die verrückte Idee. Nach und nach wurde alles konkreter und wir fanden beide, dass wir es einfach versuchen sollten.
 
Wie hast du deinen Geschäftspartner Stephan kennengelernt und wie teilt ihr euch die Arbeit auf?
Wir sind über gemeinsame Bekannte aufeinander aufmerksam geworden, die von uns beiden jeweils wussten, dass wir uns gerne selbständig machen möchten. Und es hat dann ja auch geklappt ein gemeinsames Business zu finden.
Stephan und ich teilen uns das Ganze 50:50 auf. Jeder hat seine Teilgebiete, in denen er federführend ist. Während ich meinen Fokus in der Produktion habe, konzentiert sich Stephan auf den Vertrieb. Darüber hinaus kümmere ich mich um unseren neuen Online-Shop und unsere Social Media Abteilung.
Step by Step. Was waren die ersten Schritte, um den Traum von der Selbstständigkeit real zu machen?
Die gemeinsame Idee und deren Umsetzung ist immer der erste Schritt. Ohne ein Konzept, an das wir beide glauben, geht es nicht. Dabei ist es natürlich sehr hilfreich, wenn man nicht alles alleine machen, sondern sich die Augaben teilen und über Ideen austauschen kann. Alles andere kommt dann peu a peu. Man überlegt sich welche Gesellschaftsform Sinn macht, besorgt sich dann einen Termin beim Notar. Sucht sich einen Markt, einen Kundenstamm, Mitarbeiter und ein Büro. Es muss nicht alles sofort und auf einmal passieren.
 
Ihr seid mit eurer Geschäftsidee zu Zuckerzahn in der TV Show „Die Höhle der Löwen“ aufgetreten. Ganz schön mutig. Leider konntet ihr die Investoren nicht überzeugen, würdest du es trotzem wieder machen?
Es war eine ganz besondere Erfahrung und hat unsere Firma im ganzen Land bekannt gemacht. Heute würden wir gar keinen Großinvestor mehr brauchen und auch wollen. Deshalb würden wir heute wohl nicht mehr teilnehmen. Aber vom damaligen Standpunkt aus, war es eine der besten Entscheidungen, die wir getroffen haben, auch wenn es viel Überwindung gekostet hat. Die Löwen und deren Feedback haben uns sehr viel gebracht und unser Unternehmen über Nacht bekannt gemacht. Mit Frank Thelen oder Jochen Schweitzer haben wir noch heute Kontakt. 
Beschreibe deinen Alltag. Was ist das erste und letzte, was du an einem Arbeitstag machst? Hast du feste Arbeitszeiten?
Morgens gehe ich entweder in unser Büro oder in die Bonbonproduktionsstätte „Kamellebüdchen“. Ja, feste Arbeitszeiten gibt es – aber keine festen Abläufe. Als erstes bearbeite ich meistens unsere E-Mails.
Dann kümmere ich mich entweder um Vertrieb oder die Abwicklung und Organisation von Aufträgen sowie die Koordination der Candydessen. Wenn wir viele Bestellungen haben, gehe ich sogar direkt in die Produktion und mache Lollies.
Ich erstelle am Anfang des Tages immer eine To-Do-Liste und habe sie am Ende des Tages auch meist restlos abgearbeitet.
Was sind deine Tipps für die Planung, wenn man sich selbstständig machen möchte?
Man braucht vorher ein gutes Konzept und man muss wissen, dass man für sich selbst arbeitet – und zwar ständig. Man sollte sich stets selbst hinterfragen und auch bereit sein, von seinem geplanten Weg abzuweichen. Flexibilität ist sehr wichtig. Und man sollte nicht bei ersten Misserfolgen den Kopf in den Sand stecken, sondern aus Fehlern lernen. Manchmal dauert es etwas länger, bis der erhoffte Erfolg sich einstellt und manchmal muss man mit Rückschlägen umgehen. Das erfordert, dass man wirklich an sein Business glaubt.

Lust auf Bonbons bekommen? Das Kamellebüdchen findet ihr in der Kölner Altstadt oder lasst euch die handgemachten Köstlichkeiten über den Onlineshop direkt nach Hause liefern.

Über die Agentur Zuckerzahn könnt ihr euer Event zuckersüß gestalten und individualisierte Bonbons und Lollies bestellen, schaut dafür hier vorbei.

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