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Solo Backpacker – 6 Dinge, die du vorher nicht weißt

Ich bin zwei Monate alleine durch Südostasien gereist und alles ist anders gekommen, als erwartet.

Als ich Freunden und Familie von meiner Entscheidung erzählt habe, alleine reisen zu wollen, wurde mir eine Frage immer wieder gestellt: Hast du keine Angst?

Klar hatte ich Angst, aber die Neugier und die Lust was ganz alleine für mich zu machen waren größer. Am Ende ist doch alles anders gekommen, als ich es erwartet habe. Besser. Das Gefühl selbstständig neue Länder zu erkunden, fremde Dinge zu essen und neue Leute kennenzulernen ohne irgendjemanden dabei zu haben, der dir die Hand hält, ist unbeschreiblich bestärkend. Und gleichzeitig sind ein paar Dinge passiert, mit denen ich nicht gerechnet hatte.

Sei achtsam, aber nicht ängstlich

Das Thema „Angst“ ist wohl neben der richtigen Anzahl der mitzunehmenden Unterhosen, das häufigste, worüber man sich vor der Reise Gedanken macht. Angst vor dem Alleinesein, Angst vor einer fremden Umgebung, Angst überfallen zu werden oder dass dein Magen dir einen Strich durch die Rechnung macht, weil du mit „a little spicy“ nicht zurecht kommst.

Angst ist ok, sie schützt dich vor Dummheiten. Solange du dich durch sie von deinen Zielen abhalten lässt. Denn dann heißt es: If you can´t beat fear, do it scared!

Und lass dir die Ängste der anderen nicht als deine einreden. Denn sobald du deine Familie und Freunde über dein Vorhaben des Reisens informierst, läuft eine Frage in Dauerschleife: „Hast du denn keine Angst?.“ Ich weiss nicht mehr wie oft ich den Rat „Pass bitte gut auf dich auf“ gehört habe, bevor ich abgefahren bin.

Dabei ist die Regel ist eigentlich ganz einfach: Mach nichts, was du auch zuhause nicht machen würdest. Mit deinen neuen Freunden bei einer Beachparty die Nacht durchtanzen und dich wieder wie 17 fühlen? Hell, yes! Mitten in der Nacht alleine und betrunken oder unter dem Einfluss von Magic Mushrooms durch verlassene Gassen zurück zum Hostel laufen? Hell, no! 

Ja, pass auf dich auf, aber du wirst sehr schnell feststellen, dass die Welt da draußen sicherer und freundlicher ist, als du gedacht hast. Ich habe auf meiner Reise irgenwann alle Warnungen vor Essen, Eiswürfeln und ungeschältem Obst über Bord geworfen und bin kein einziges Mal krank geworden. Alles was mir auf der Reise abhanden gekommen ist, wurde mir nicht geklaut, sondern ich habe es verloren. So ist immerhin der Rucksack leichter geworden.

Du bist nie allein

Von allen Ängsten beim Alleinereisen ist dies wohl die größte: Was ist wenn ich einsam bin? Oder der Hinweis von Freundinnen: „Ich könnte das nicht, ich will schöne Erlebnisse mit jemandem teilen.“ Dazu kann ich nur sagen: Du bist NIE allein, außer du willst es.

Und schon gar nicht, wenn du in Hostels übernachtest. Leute, die sich in Hostels einbuchen, sind in der Regel offen und selbst auf der Suche nach Kontakten. Als Frau ist die Wahrscheinlichkeit außerdem nochmal höher, dass dich jemand anspricht. Falls es doch nicht auf Anhieb klappen sollte, nimm an einer der zahlreichen Gruppen-Aktivitäten und Ausflüge teil, die dein Hostel anbietet.

Ich bin so dankbar für all die tollen Menschen, die ich auf meiner Reise getroffen habe und bin fest davon überzeugt, dass diese Begegnungen etwas besonderes sind. Schließlich triffst du Menschen, die mit ähnlichen Zielen, Träumen und Einstellungen auf die Reise gegangen sind. Mit ihnen erlebst du die schönsten Sonnenuntergänge, anstrengendsten Wanderrouten und durchtanzte Nächte. Vielleicht sind sie an Feiertagen sogar dein Familienersatz in einem fremden Land.

Gleichzeitig habe ich die Erfahrung gemacht, das „Alleinesein“ bewusst zu entscheiden und sogar kommunizieren zu müssen, falls mir Bekanntschaften doch zu eng geworden sind. Denn trotz allen tollen Begegnungen, wollte ich mich doch keiner Reisegruppe anschließen oder einen festen Reisebegleiter haben.

Und auch das ist das Tolle an deinen neuen Freunden, die du auf deiner Reise triffst: Keine Geschichte, keine Verbindlichkeiten, keine Erwartungen. Du kannst du selbst sein, ohne deiner üblichen Rolle als Freundin, Tochter oder Kollegin zu entsprechen.

In diesem Sinne, merk dir einen Satz, der immer funktioniert: Hi, where are you from?

Zeit ist relativ

„Die Zeit vergeht so schnell, wenn man Spaß hat“ – so oder so ähnlich geht der bekannte Spruch – dabei ist es genau andersherum.

Wenn man jeden Tag neue Abenteuer erlebt und sich in einer ungewohnten Umgebung befindet, kommt einem jeder Tag lang und erfüllt vor, einfach weil so viel in kurzer Zeit passiert und du jeden Tag etwas Neues lernst. Aus dem selben Grund vergeht für Kinder die Zeit langsamer als für Erwachsene.

Während also die Daheimgebliebenen feststellen, dass die Zeit doch super schnell vorbeigegangen ist, und du gar nicht so lange weg warst, hast du so viele neue Eindrücke gesammelt, dass es dir vorkommt, als wärst du lange weggewesen. Die Erinnerungen füllen Bände, während du zuhause nicht mal mehr wusstest, was du letzten Dienstag Abend gemacht hast (wahrscheinlich Netflix).

Diese Erkenntnis bringt mich darauf, wie wertvoll auch Kurzreisen, als kleine Ausbrüche aus dem Alltag, sein können.

Sei nett, aber nicht zu nett

Du kennst das Ganze doch schon aus der Disco. Sobald du Männer zu lange zu freundlich anlächelst, gehen sie davon aus, dass du unsterblich in sie verknallt bist. Männliches Ego eben.

Deshalb solltest auch auf deiner Reise darauf achten, welche Signale du aussendest. Denn das was du als freundschaftlich ansiehst, kann von deinem ebenso allein reisenden Gegenüber als Aufforderung zum Flirten interpretert werden. Deswegen solltest du auch nicht zu vage in deinen Absichten sein.

Ich selbst habe die Erfahrung gemacht, Männern ab einem gewissen Punkt sehr deutlich machen zu müssen, dass ich alleine reisen möchte und kein Interesse an einem Reise Boyfriend habe. Schließlich gibt es einen Grund, warum ich mich dazu entschieden habe alleine und ohne Begleitung reisen zu wollen. Bindet euch also nicht aus reiner Nettigkeit einen Klotz ans Bein. Das gilt ebenso für weibliche Bekanntschaften, die den Rest der Reise mit euch zusammen planen wollen.

Es ist deine Reise, es geht um dich. Verpflichtungen und Erwartungen hast du zuhause schon genug. Kommuniziere also sehr direkt, was du willst und was nicht.

 

Alles fließt – also fast

Ich habe auf meiner letzten Reise die erste Woche vorgeplant, danach kam alles spontan. Und ich würde es jederzeit wieder so machen.

Wenn du als Backpacker unterwegs bist und dir im Ausland eine Internetflatrate auf dein Handy buchst (Sim-Karten gibt es an jedem Flughafen) ist es ziemlich einfach spontan Unterkünfte und Transportmittel zu buchen. Warum also zu viel vorplanen, wenn du noch gar nicht weisst, wo es dir gefällt? Auf meiner Reise gab es Orte, in die ich mich schockverliebt habe und deshalb länger geblieben bin als geplant (Chiang Mai, Koh Tao) und Orte, die möglichst schnell verlassen wollte und deshalb meinen Aufenthalt verkürzt habe (Siem Reap).

Trotz aller Spontanität gibt es jedoch ein paar Eckdaten und Richtlinien, die du bei deiner Reiseplanung beachten solltest, um keine bösen Überraschungen zu erleben. Dazu gehören die Einreisebestimmungen des jeweiligen Landes, die maximale Aufenthaltserlaubnis oder benötigten Impfungen. So musste ich darauf achten, nicht länger als 30 Tage am Stück in Thailand zu bleiben, sonst drohen Geldstrafen bei der Ausreise. Notier dir alle Visa- und Einreisebestimmungen vorab!

Jungs schnarchen…Mädchen auch

Vor meiner Abreise habe ich gedacht, dass ich zwischendurch eine Pause von Hostels brauche und mich in Privatzimmer einmiete. Schlussendlich habe ich dann aber doch während meiner gesamten Reise in Hostels übernachtet. Einfach weil sie viele Vorteile in einem fremden Land bieten: Du lernst schnell neue Leute kennen, es werden zahlreiche Aktivitäten angeboten, sie sind günstig und oftmals sogar schöner als Hotels. Das Zauberwort sind „Poshtels“ – etwas teurer als gewöhnliche Hostels, aber sauber, modern und mit gutem Service.

Mädchenzimmer in Hostels bewahren dich vielleicht vor stinkenden herumliegenden Socken im Zimmer, aber nicht vor nächtlichen Störgeräuschen. Ich hatte tatsächlich nur selten Mehrbettzimmer ohne mindestens eine schnarchende Person, deswegen würde ich jedem eine Packung Oropax empfehlen (auch nützlich wenn deine Zimmernachbarn sich dazu entschließen, die Nacht gemeinsam in einem Bett zu verbringen).

Nichtsdestotrotz würde ich immer Mädchenzimmer bevorzugen, es ist sauberer, es riecht besser. Isso.

Mehr Fotos von meiner Reise findest du hier

Wenn du wissen willst, was ich in meinen Rucksack gepackt habe, schau dir dieses Video an:

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