JOB UND KARRIERE

Aussortiert – Typische Fehler von Berufsanfängern im Bewerbungsschreiben

Du hast deinen Uniabschluss in der Tasche (Mama ist stolz), mindestens zwei Praktika in Großkonzernen absolviert (du bist stolz), dein Auslandssemester in Barcelona hinter dir (du kannst dich nicht mehr an alles erinnern) und jetzt geht´s daran deinen Traumjob festzumachen.

Du hast Stunden, vielleicht sogar Tage, auf allen relevanten Jobsuchseiten verbracht und deine Topjobs abgespeichert. Es kann losgehen. Alles was dich noch von einem Treffen mit deinem Traumunternehmen trennt, ist diese eine Sache, die so voller potentieller Fettnäpfchen steckt, wie sonst nur das erste Date:

Das Bewerbungsschreiben

Einer Stepstone Studie nach, nehmen sich Personalverantwortliche durchschnittlich 43 Sekunden Zeit für die Durchsicht einer Bewerbung. Klingt wenig? Ich persönlich glaube sogar, dass sich niemand ganze 43 Sekunden Zeit nimmt, wenn auf den ersten Blick schon gravierende Fehler auffallen.

Vor allem Berufsanfänger machen typischerweise oft die gleichen Fehler, die dazu führen, dass sie gar nicht erst zum Bewerungsgespräch eingeladen werden.

Damit deine ersten Bewerbungen nicht in der Ablage P landen (alter Bürowitz), hier typische Anfängerfehler, die du bei deinem Bewerbungsschreiben vermeiden solltest.

Fangen wir mit dem ersten Eindruck an, dem Layout und Format deiner Bewerbung:

Format, Layout und Umfang – Minimal I Relevant I Eye Candy

Diese Gestaltungs-Fehler solltest du vermeiden:

Deine Bewerbung ist unvollständig

Zu einer vollständigen Bewerbung gehört ein Anschreiben, ein Lebenslauf und mindestens ein relevantes (!) Zeugnis. Es gibt auseinandergehende Meinungen, ob man ein Deckblatt benötigt oder nicht. Meiner Meinung nach, ist es ein nettes Ad On, wenn es gut gemacht ist. Auch gehört zur Vollständigkeit den richtigen Ansprechpartner in der Anrede zu nennen, anstatt auf „Meine Damen und Herren“ zurückzugreifen. Entweder steht dieser bereits in der Stellenausschreibung oder ihr googelt nach dem Namen der Abteilungsleiterin (Für Fortgeschrittene: Anrufen und nachfragen).

Du verschickst deine Bewerbung als Worddokument

Verschicke deine Bewerbung nie als Worddokument, sondern als PDF (duh!) und vor allem: Verschicke alles möglichst als eine PDF. Es gibt immer wieder Bewerber, die E-Mails mit 10 Anhängen verschicken…die dann keiner öffnet. Dabei gibt es genügend kostenfreie Tools, um deine PDF Dateien zusammenzufügen. Einfach googeln.

Du hast dich nicht mit Layout und Formatierung beschäftigt

Wenn deine Bewerbung herausstechen und beeindrucken soll, musst du dir etwas Mühe und Zeit für das Layout geben. Wichtig ist, dass alles aus einem Guss kommt, d.h. gleiche Schriftart, Schriftgröße und Schriftfarbe auf allen Seiten.

Wenn du dir nicht sicher bei der Gestaltung bist, findest du zahlreiche Inspiration und Ideen im Netz. Auf Pinterest findest du viele schöne Designideen (Keyword zum Beispiel: job application design) und auf Canva kannst du dir sogar direkt Vorlagen runterladen.

 

Extratipps zum Layout:

Orientiere dich bei der Farb- und Schriftwahl am Wunschunternehmen. Die Kunst dabei ist, das Corporate Design dezent in dein Layout einfließen zu lassen, also zum Beispiel für den Rand oder die Überschriften auf dem Deckblatt die Unternehmensfarbe zu wählen. Das hat zum einen den Effekt, dass der Personaler merkt, dass du dich mit dem Unternehmen beschäftigt hast und eine individuelle Bewerbung gemacht hast und zum anderen suggerierst du, dass du bereits irgendwie dazu gehörst 😉

Kein Muss, aber es macht deine Bewerbung individueller: Anders als die meisten anderen Berufsanfänger benutzt du nicht Times New Roman oder Arial als Schriftart. Meine persönlichen Favorites sind Calibri Light und Helvetica. Frag dich auch hier, was passt zum Unternehmen und zum Job. Egal für welche Schriftart du dich entscheidest, verwende nie mehr als zwei unterschiedliche Schriftarten und verwende sie konstant (z.B. Serifenschrift für Überschriften und serifenlose Schrift für Fließtext). Zusatztipp: dunkelgrau sieht eleganter aus als schwarz.

Kein oder schlechtes Foto

In Deutschland ist ein Bewerbungsfoto immer noch fester Bestandteil von Bewerbungen. Sobald ein Personaler sich wörtlich ein Bild von dir machen kann, hat er auch eher einen Bezug zu dir. Ein Foto weckt Emotionen, im besten Fall gute. Obwohl es eigentlich klar sein sollte, verschicken einige Bewerber immer noch Fotos  im 90er Jahre Stil vor blauen oder grauen Wolkenwänden (ihr wisst was ich meine) und einige sogar Freizeitfotos. Mein persönliches Highlight ist eine Bewerbung, die mal auf meinem Tisch lag, in die der Bewerber ein Foto von sich am Strand eingefügt hat. Hinter ihm war ein Mann mit einer Bananenkiste zu sehen. Ein echtes Fundstück.

Wenn ihr kein Geld für einen professionellen Fotografen habt, ist das nicht so schlimm. Jedes Handy macht vernünftige Fotos. Stellt euch vor einen einfarbigen, hellen Hintergrund und los geht´s.

 

Inhalt – Relevant I Individuell I Prägnant

 

Diese inhaltlichen Fehler solltest du vermeiden:

Einer für alle ist dein Motto

Kurz gesagt: Wenn du die gleiche Standardbewerbung an alle Unternehmen schickst, ohne sie auf die passende Stelle und das Unternehmen anzupassen, sinken deine Chancen eingeladen zu werden enorm. Wenn du dann auch noch vergisst den Ansprechpartner zu ändern (das passiert häufiger als man denkt) oder beim sicheren „Sehr geehrte Damen und Herren“ bleibst, kannst du es auch gleich sein lassen.

Du setzt auf „Je mehr, desto besser“

Du hast wenig Platz in deiner Bewerbung, um von dir zu überzeugen. Setz auf die wirklich für die Stelle relevanten Informationen. Eine Bewerbung sollte nicht schon beim ersten Anblick mit Text und Anhängen erschlagen. Das Anschreiben sollte nicht länger als eine Seite lang sein, der Lebenslauf nicht länger als zwei Seiten. Nenne im Lebenslauf die chronologisch aktuellsten Stationen zuerst.

Auch wenn du noch nicht so viel Arbeitserfahrung aufweisen kannst, lass lieber den Nebenjob im Dunkin Donuts aus dem Lebenslauf raus – außer er ist relevant für die Stelle, auf die du dich bewirbst.

Auch bei den Anhängen solltest du nur das mitschicken, was wirklich wichtig ist. Wenn du gerade dein Abi oder Studium abgeschlossen hast, kannst du dieses mitschicken. Wenn du aber schon seit über fünf Jahren im Beruf bist, interessiert keinen mehr dein Abizeugnis. 

Du wiederholst im Anschreiben deinen Lebenslauf

Betrachte das Anschreiben nicht als Zusammenfassung, sondern als Pitch für dich selbst. Nimm nur die wichtigsten und stärksten Argumente für dich rein, anstatt chronologisch alle drei Praktika aufzuzählen. Du musst nicht deine gesamte Lebensgeschichte runterschreiben, aber genauso solltest du dir Standardfloskeln sparen.

Je kreativer die Branche, desto kreativer kann auch das Anschreiben werden. Ich habe mal in meiner Bewerbung für eine Fashion-PR Agentur aus den Anfangsbuchstaben der Agentur Argumente, die für mich sprechen, formuliert und wurde direkt eingeladen. Es muss also nicht immer das Standardformat sein.

Der erste Satz ist aus den 90ern

Eine der größten Hürden im Bewerbungsschreiben ist der erste Satz. Wie fängt man an, damit das Interesse direkt geweckt ist? Nach stundenlangem Kopfzerbrechen und zehn gescheiterten Versuchen endet es bei vielen dann schließlich doch wieder so:

„Hiermit bewerbe ich mich auf die von Ihnen ausgeschriebene Stelle als Projektmanager“

„Mit großem Interesse habe ich Ihre Stellenanzeige im Generalanzeiger vom 18.10. gelesen“

Wenn eine Bewerbung so anfängt, kann man davon ausgehen, dass der Rest auch nur abgeschriebener Standard ist.

Finde einen Einstieg, der zum Arbeitgeber und zu deiner Situation passt. Frag dich, wonach das Unternehmen sucht und wie du die Frage nach dem „Warum bewerben Sie sich bei uns“ kurz und klar beantworten kannst.

Es gibt nicht den perfekten Satz, aber es hilft schon, nicht die 20 Jahre alten Standardsätze runterzuschreiben.

Du klingst passiv

Du willst selbstbewusst und engagiert klingen. Vermeide also Sätze, die dich zu passiv klingen lassen. Anstatt „Mir wurde die Verantwortung für das Projekt XY übertragen“ schreibst du „Ich habe das Projekt XY geleitet“. Ebenso solltest du auf zu viele Konjunktive verzichten. Anstatt „Ich würde mich freuen, wenn ich sie bei einem persönlichen Gespräch von mir überzeugen dürfte“, besser „Gerne überzeuge ich sie in einem persönlichen Gespräch von mir.“

Wenn du all diese typischen Fehler vermeidest, bist du vielen Mitbewerbern schon um einiges voraus. Wenn du Fragen hast, schreib sie gerne in die Kommentare, ansonsten: Viel Erfolg bei deiner Bewerbung.

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