JOB UND KARRIERE

Von der Agenturchefin zum Female Empowerment Coach – Yvonne Schröer im Interview

Yvonne habe ich auf einem Netzwerkevent für selbstständige Frauen getroffen und ihre Story hat mich direkt mitgerissen. Denn Yvonnes Erfolgsgeschichte ist genau das, was ich so spannend finde: Kein gerader Lebenslauf, einfach gemacht und ausprobiert, erfolgreich durchgestartet, abgebrochen und nochmal ausprobiert und schließlich den Fokus von „Was ist naheliegend?“ zu „Was will ich wirklich?“ verlagert. Jahrelang hat Yvonne erfolgreich als Geschäftsführerin einer Kommunikationsagentur gearbeitet. Heute ist sie als freie Traurednerin und Brautcoach tätig und verfolgt damit eine Tätigkeit, die für sie mehr ist als ein Beruf. Wie sie ihre Selbstständigkeit aufgebaut hat, mit einer eigenen Agentur erfolgreich durchgestartet ist und warum sie die Entscheidung getroffen hat, trotzdem lieber mit Menschen als mit Marken zu arbeiten, erzählt sie mir im Interview.

Erzähl mal, was hast du die letzten 15 Jahre beruflich gemacht?

Puh, jede Menge ehrlich gesagt! Vor 15 Jahren bin ich gerade 18 geworden und habe bei Radio Köln und Radio Siegen erste Erfahrungen im Berufsleben gesammelt. Mit 19 bin ich dann nach Köln gezogen, um hier Mediamanagement zu studieren. Nebenbei habe ich als Online Redakteurin und Moderatorin bei rtl.de gearbeitet und gleichzeitig mit meiner besten Freundin die interaktive Eventreihe Kabelbrand im Kölner Nachtleben ins Leben gerufen. Unser Antrieb war es damals, Menschen aus dem Alltag rauszuholen und gemeinsam mit ihnen einen wie wir es immer genannt haben „betreuten Wahnsinn“ zu leben!

Aus dieser Eventreihe heraus haben wir dann nach dem Studium die gleichnamige Kommunikationsagentur gegründet. Gute sieben Jahre später haben wir uns 2018 dann dazu entschieden die Agentur so wie sie war nicht weiterzuführen, aus dem selbstgeschnürten Agentur-Korsett auszubrechen und uns wieder mehr auf unsere Kernkompetenzen und damit verbunden auch unsere Anfänge zurück zu besinnen.

Gleichzeitig habe ich im letzten Jahr noch ein neues Business im Bereich Wedding aufgebaut. Unter dem Namen Be Bride biete ich als Traurednerin freie Trauungen an und begleite Bräute mit Achtsamkeitstrainings und speziellen Bridal Yoga Retreats auf ihrer Reise zu ihrer Hochzeit.  Und weil mir das alles immer noch nicht reicht und es einfach zu viele spannende Themen gibt, habe ich jetzt ganz aktuell auch noch Hej Why Not mit einer Freundin gegründet – hierbei handelt es sich um online und offline Coaching-Angebote speziell für Frauen, für die persönliche und berufliche Weiterentwicklung. Hierfür haben wir gerade auch unsere erste Podcastfolge aufgenommen – also relativ viel los bei mir…

Woher hast du den Mut genommen, dich direkt nach dem Studium selbstständig zu machen?

Ich habe damals tatsächlich gar nicht viel darüber nachgedacht oder mir Sorgen gemacht. Meine Eltern haben auch ein eigenes Unternehmen und da habe ich mir einiges abgeguckt und für mich mitgenommen. Nachdem ich ja auch einige Praktika gemacht habe, war mir dann sehr schnell klar, dass ein Angestelltenverhältnis für mich nicht in Frage kommt und dann hat sich halt alles irgendwie gut gefügt!

Du hast mit einer Freundin zusammen gegründet. Würdest du nochmal zu zweit gründen? Was sind die Vor- und Nachteile des Co-Gründens?

Für mich persönlich kann ich das aus vollem Herzen mit einem klaren Ja beantworten, ich habe die Gründung von Kabelbrand mit meiner besten Freundin niemals bereut und auch Hej Why Not habe ich wieder zusammen mit einer Freundin gegründet.

Dabei muss man sich immer bewusst sein, was das für die Freundschaft bedeuten kann und gut abwägen. Bei Kabelbrand hat es aber all die Jahre einfach immer gut gepasst. Klar ist man nicht immer einer Meinung gewesen, aber im Kern waren wir uns immer einig und haben auch die gleichen Werte im Hinblick auf Unternehmenskultur- und Führung geteilt. Wichtig ist dabei immer eine offene Kommunikation.

Es gibt viele Aspekte, die für und gegen das Co-Gründen sprechen, aber meiner Meinung nach kommt es immer auf die individuelle Persönlichkeit des Gründers an und natürlich auf das Vorhaben.

Kundenakquise ist wohl eines der wichtigsten aber auch herausforderndsten Themen, wenn man sich im Dienstleistungsgeschäft selbstständig macht. Wie seid ihr das Thema angegangen, hast du Tipps?

Wir hatten von Anfang an immer das Glück, dass potenzielle Kunden auf uns zu kamen. Meistens über Weiterempfehlungen, da wir sehr umtriebig waren, was unsere Netzwerkarbeit anging. Natürlich haben wir auch an Pitches teilgenommen, wie andere Agenturen auch (was ich echt gehasst habe und irgendwann haben wir beschlossen, uns nicht mehr auf Pitches zu bewerben) und wir haben Online Kampagnen geschaltet. Wir haben aber auch alternative, kreative Vertriebsmethoden ausprobiert, zum Beispiel haben wir Wunschkunden Maibäume mit persönlichen „Liebesbriefen“ gestellt oder zum Valentinstag Liebesbriefe versendet nach dem Motto „Willst du mir gehen!“ Mit diesen Aktionen haben wir es damals sogar geschafft große Konzerne auf uns aufmerksam zu machen.

Ich würde also sagen, dass herkömmliches Vertriebsmarketing absolut Sinn macht, aber es darüber hinaus immer gut ist, sich Gedanken zu machen, wen man gern als Kunden hätte und diese dann mit individuellen und vielleicht auch überraschenden Aktionen anzusprechen.

Yvonnes Tipps, wenn du selbst überlegst eine Agentur zu gründen:

1. Klarheit finden: Mach dir bewusst, ob die Agenturgründung wirklich dein tiefster Wunsch ist, oder ob es andere selbstständige Arbeitsmodelle gibt, die besser zu dir passen könnten.

2.Strategisch denken: Mach dir vorab ein paar strategische Gedanken: Was ist mein Business? Was sind meine Verkaufsargumente? Welche Branchen will ich ansprechen? Wie ist meine Preisstruktur?

3.Dein Why und USP finden: Was treibt mich an, was für Ziele habe ich, was hebt mich von anderen Agenturen in diesem Bereich ab, was ist mein Warum? Nur wenn du das weisst, hast du starke Verkaufsargumente.

4.Langfristig denken: Agentur bedeutet, dass du auf kurz oder lang einige versierte Mitarbeiter brauchst, auf die du dich verlassen musst. Wenn die Agentur wächst, bedeutet das auch, dass du vielleicht nicht mehr nur die Dinge tun kannst, die dir eigentlich Spaß machen, sondern du zwangsläufig Bereiche übernehmen musst, die dir vielleicht nicht liegen oder dir keine Freude bereiten (Buchhaltung und Personalwesen zum Beispiel).

5.Realistisch sein: Natürlich hat die Welt nicht auf noch eine weitere Marketing Agentur gewartet. Es ist also kein Ponyhof-Leben sich gegen andere große Agenturen zu behaupten, das muss einem einfach bewusst sein.

Eine Agentur zu gründen ist das eine, aber sie zu führen und damit auch wirklich erfolgreich zu sein ist echt harte und manchmal auch sehr undankbare Arbeit. Wenn man nicht für das Agenturleben brennt, sollte man es besser lassen!

Und dann kam die Entscheidung, die Agentur einzustellen. Was waren deine Beweggründe und wie ging es die ersten Wochen nach der Agenturschließung weiter?

So ganz eingestellt haben wir die Agenturarbeit nicht, sondern die Art wie wir arbeiten und nach außen kommunizieren umstrukturiert. Wir haben uns von unseren Mitarbeitern getrennt und unsere Räumlichkeiten aufgegeben. Unter Kabelbrand betreuen wir aktuell auch immer noch Kunden aus der Agenturzeit, aber sind jetzt vor allem als Berater und Coaches tätig. Aufträge sind also noch da, aber wir haben unser Gewand geändert.

Aber es tatsächlich damals kein leichter Schritt. Immerhin war die Agentur unser Baby. Wir haben viel Arbeit, Geld, Zeit und Tränen in die Agentur gesteckt, haben aber auch gleichzeitig viele Abenteuer in dieser Zeit erlebt, haben Erfolge gefeiert und Niederlagen miteinander verarbeitet. Doch irgendwann haben wir uns selber nicht mehr in dieser Agentur gesehen und gemerkt, dass uns diese Art der Arbeit einfach nicht mehr glücklich macht.  So haben wir uns entschieden, dass es die Agentur in der Art in Zukunft nicht mehr geben wird.

Die ersten Wochen nach Aufgabe des Büros, war es natürlich erst relativ schmerzhaft und irgendwie hat es sich auch ein Stück weit angefühlt wie Scheitern, aber da ich direkt die Idee für mein neues Projekt hatte, haben sich die Sorgen schnell in Vorfreude und Tatendrang umgewandelt und ich habe gemerkt, dass der Schritt genau richtig war!

Das war für mich eine Zeit des Umbruchs. Ich habe erkannt, dass ich als diese Art Dienstleister nicht glücklich bin und mir einen Job wünsche, der mehr Berufung als nur Beruf ist.

Mir bedeutet es mittlerweile einfach viel mehr glücklich und zufrieden zu sein, und mit einem guten und warmen Gefühl am Abend ins Bett zu gehen in dem Wissen, einen guten Beitrag geleitest zu haben, anstatt total gestresst, überarbeitet und unglücklich zu sein aber dafür mit mehr Geld im Portemonnaie.

Heute bist du freie Traurednerin und Braut Coach. Wie kamst du auf die Idee?

Nach vielen Jahren im Agenturbusiness hatte ich das Bedürfnis mich mehr mit Menschen als mit Marken zu beschäftigen.

Vor allem wollte ich etwas machen, womit ich mich voll und ganz identifizieren und authentisch sein kann und vor allem meine Potenziale voll und ganz ausschöpfen kann. Die Idee zum Braut Coaching hat sich aus meiner eigenen Erfahrung heraus entwickelt.

Da ich vor einigen Jahren selber geheiratet habe und zu dieser Zeit aber auch nach der Hochzeit sehr unachtsam mit mir selbst war und mich sehr viel von äußeren Einflüssen leiten ließ, habe ich meine inneren Werte, Träume und Wünsche komplett aus den Augen verloren. Mit dem Resultat Scheidung und nochmal alles auf Anfang! Glücklicherweise habe ich damals den Weg den Weg zurück zu mir gefunden und möchte deshalb andere Frauen umso mehr darin bestärken und darin unterstützen, die Reise zu ihrer Hochzeit ganz bewusst und achtsam zu erleben.

Das Braut Coaching mit freien Trauungen zu verknüpfen hat sich sehr schnell ergeben, da ich es liebe zu schreiben und zu reden und es mir große Freude bereitet jede einzelne Trauung individuell und persönlich mitzugestalten und unvergesslich werden zu lassen.

Was kann man sich unter einen Braut Coaching vorstellen? Was passiert dort und was bewegt Bräute dazu ein Coaching zu machen?

Für viele zukünftige Bräute beginnt mit dem Heiratsantrag die wohl spannendste und aufregendste Zeit. Aber leider sorgen Nervosität und steigender Druck häufig dafür, dass die innere Balance aus dem Gleichgewicht gerät und sie dabei den Blick für das Wesentliche verlieren.

Mit individuellen Coachings und Workshops auf Basis von verschiedenen Achtsamkeitsmethoden und speziellen Yoga und Meditationssessions, wird der innere Kompass neu ausgerichtet, für emotionale Entspannung und Gelassenheit und einen entspannten und glücklichen Start in die Ehe.

Die Braut Coachings richten sich an Frauen, die die Reise zu ihrer Traumhochzeit in vollen Zügen genießen und bewusster erleben möchten und sich selbst dabei wieder näherkommen möchten.

Was hat der Karrierewechsel mit dir persönlich gemacht?

Ich weiß jetzt, wie wichtig und wertvoll es ist, einen Job zu machen, der Spaß macht und einen selbst total erfüllt.

Ich bin jetzt deutlich ausgeglichener und gehe jeden Abend mit einem guten Gefühl ins Bett.

Natürlich bringt es aber auch die Branche, in der ich jetzt arbeite, mit sich. Es ist einfach so viel schöner für mich die Liebe und Menschen als großes übergeordnetes Thema zu haben, als weniger greifbare Dinge wie zum Beispiel Marketing. Außerdem nehme ich aus jedem Coaching und jedem Traugespräch so viel für mich und mein eigenes Leben mit, das bereichert mich einfach so sehr und dafür bin ich mehr als dankbar!

In deinem Instagramprofil steht #Achtsamkeit #Gelassenheit #Klarheit. Wie schaffst du es, diese drei Werte in dein Leben zu integrieren?

Natürlich gibt es bei mir auch Tage oder Zeiten, in denen ich es nicht immer zu 100% schaffe, diese Werte in mein Leben zu integrieren, aber generell halte ich Achtsamkeit, Gelassenheit und Klarheit für sehr wichtige Stützpfeiler vor allem in stressigen Zeiten aber auch im Umgang mit anderen Menschen.

Durch meine Yoga-Ausbildung, die ich gerade absolviere, beschäftige ich mich natürlich sehr viel mit solchen Themen und habe durch meine tägliche Yoga- und Meditationspraxis einen sehr guten Weg für mich gefunden, um eine tiefere Verbindung zu mir aufbauen zu können und diese Themen in meinen Alltag zu integrieren.

Und zuletzt: Beschreibe dich selbst in drei Stichpunkten

empathisch

liebevoll

lustig

Du heiratest bald und wünscht dir eine freie Trauung oder ein begleitendes Coaching? Schau doch mal bei Yvonne vorbei: Be Bride

Fotos: Miriam Dierks – Liebaeugeln

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