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Wir brauchen nicht mehr Rosa, sondern mehr Rechte. Was sich diese Instagramerinnen WIRKLICH zum WELTFRAUENTAG wünschen

Alice Schwarzer hat mal gesagt, sie würde „diesen gönnerhaften 8. März“ am liebsten abschaffen. Dabei ist der Ursprung des Weltfrauentags, der in Berlin dieses Jahr sogar als offizieller Feiertag eingeführt wurde, alles andere als gönnerhaft. Er ist selbst von Frauen initiiert, als Akt des Protests, als Kampf, für mehr Rechte.

Der Tag erinnert bis heute daran, dass Diskriminierung existiert und Missstände bekämpft werden müssen. Global und in Deutschland selbst.

Uns wird häufig suggeriert, wir, in Deutschland, würden in einer Gesellschaft leben, in der Frauen respektiert werden und keine Rollenklischees erfüllen müssen. Ich erlebe das anders. Die Diskriminierung ist da, sie ist nur subtiler und manchmal ist sie so selbstverständlich in unseren Alltag integriert, dass wir sie gar nicht als solche wahrnehmen.

Im Berufsleben, in denen Frauen keine Führungspositionen zugemutet werden, weil sie nur „rumzicken“, im privaten Umfeld, in dem meine Freundinnen allen Erwartungen gerecht werden wollen und ihre eigenen Bedürfnisse dabei vergessen, in der Art wie Frauen im Film und Büchern dargestellt werden oder im Internet, wo Frauen, die eine Plattform für sich beanspruchen, entweder als „dumme Schlampe“ oder „dumme Emanze“ bezeichnet werden – so oder so, besonders viel Intelligenz scheint der breiten öffentlichen Meinung nach, kein besonders weibliches Attribut zu sein.

Der Schein trügt, wir sind noch nicht in einer gleichberechtigten Gesellschaft angekommen, auch in Deutschland nicht. Wir mögen formal die gleichen Rechte haben wie Männer, real sieht es in zahlreichen Lebensbereichen und im Mindset von Männern UND Frauen noch anders aus.

Irgendwas ist schief gelaufen

Und doch kann ich den Ursprung von Frau Schwarzers Kritik verstehen.

Der diesjährige Claim für den Weltfrauentag #balanceforbetter ist alles andere als kämpferisch. Vor allem, weil die ausgewählten Kampagnenbilder so aussehen, als würden die dargestellten Menschen fragend in der Gegend rumstehen.

Frauenrechtliche Bewegungen ziehen auch immer etwas seltsame Aktionen mit sich. Aktionen, die zwar nett gemeint sind, aber am Thema vorbeischießen. Oder die den Zweck haben, uns ruhigzustellen, mit Blumen.

Eines der größten Probleme des Feminismus ist die Vermarktung von #frauenpower, die Verharmlosung der Missstände und die Ablenkung durch Pseudofeminismus.

Die absurdeste Aktion 2018: Rossmann nennt sich für einen Tag in Rossfrau, um für reduzierte Windeln und Putzmittel zu werben. Und das ist nur eine von zahlreichen Geniestreichen, bei denen man dem Marketingverantwortlichen gerne mal ein „Wollt ihr mich verarschen?“ zurufen würde – zum Glück gibt es das Internet.

Wir müssen nicht nur mehr darüber sprechen und Missstände aufzeigen, wir müssen auch mehr handeln. Jede für sich selbst, aber auch strukturell, politisch und gesellschaftlich haben wir noch einen Weg vor uns.

Frauen haben nicht für Wahlrecht und ein eigenes Konto gekämpft, damit wir uns zwar einen #girlboss Becher auf den Schreibtisch stellen, aber bei der nächsten Gehaltsverhandlung doch nicht den Mund aufkriegen. Manche Türen müssen noch geöffnet werden, manche müssen wir eintreten.

Das ist meine Meinung und ich frage mich, wie andere Frauen den Weltfrauentag aka. Frauenkampftag bewerten.

Ich habe sechs Instagramerinnen gefragt, was sie mit dem Weltfrauentag verbinden und was sie sich außerhalb von „Schön, dass du den Haushalt schmeißt-Blümchen“ wirklich zum Weltfrauentag wünschen.

Diane von @lepoplingerie:

Neben mehr Gleichberechtigung im Haushalt und am Arbeitsplatz – Stichwort Paygap, mental load, sexuelle Gewalt – wünsche ich mir mehr Gerechtigkeit in Sachen Sexualität für Jungs und Mädchen, eine gerechte aber vor allem positive sexuelle Aufklärung in der Schule und eine richtige Repräsentation der sexuellen Organe – sprich die Klitoris ist nicht eine nutzlose Erbse. Ich wünsche mir auch, dass Personen die einen Uterus besitzen selber entscheiden dürfen, was sie damit machen wollen. Weltweit. Ich wünsche mir, dass Damenhygieneartikel in Deutschland weniger besteuert werden als Kaviar. Und auch, dass Frauen in Armut sogar kostenlosen Zugang dazu erhalten. Ich wünsche mir, dass Frauen und Männer sich bemühen zu entlernen, was uns die patriarchale Gesellschaft bis jetzt alles beigebracht hat.

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Linda von @frauenmacht:

Die Frauenbewegung ist eine humanistische Bewegung. Das Ziel ist, am Ende des Tages nur noch zu schauen: Wer ist der Mensch mit seiner Geschichte und Fähigkeiten, und nicht, ob Frau oder Mann.

Lina von @LittleFeministBlog:

Meine Wunschliste ist so lang, dass ich sie hier nicht ganz ausformulieren kann, da ihr sonst noch bis morgen weiter lesen müsst 🙂

Aber grob zusammengefasst wünsche ich mir, dass die Rechte von Frauen*, Queers, Inter- und Transpersonen(Männern/Frauen) gestärkt werden. Dass wir nicht mehr den Großteil der Pflege- und Reproduktionsarbeit übernehmen müssen, dass wir fair bezahlt werden, dass unsere Arbeit anerkannt wird, dass wir in gleichberechtigten (romantischen) Beziehungen leben können, dass wir Familie und Zusammenhalt umdenken, bzw. erweitern, dass wir junge Mädchen*, Frauen* und Menschen stärken, dass wir Sexismus, Rassismus, Ableiismus, ja jeden -ismus bekämpfen, dass wir Teilhabe und Gleichberechtigung schaffen, dass wir mehr zusammenfinden, dass wir schöne Freund*inneschaften führen, dass wir emotional sein dürfen, dass wir ein gesellschaftliches Umdenken herbeiführen, dass wir füreinander einstehen, dass wir international und intersektional Denken, dass wir den Kapitalismus abschaffen (ja, wirklich!), dass wir uns um die Umwelt kümmern, dass mentale Gesundheit nicht mehr tabuisiert wird, dass Geschlechterrollen sich verändern und dass wir unsere Körper und uns lieben und annehmen können und selbst darüber bestimmen dürfen (Abschaffung von Parapgraph 218 und 219a).

Bele Marie von Heys&Hugs @bele.marie_:
Was ich mir zum Weltfrauentag wünsche ist eine Welt, in der jede Frau die Möglichkeit und den Mut hat das zu sein, was sie in ihrem Herzen ist! Ist es die Businessfrau ohne Kinder, die Fulltime Mama, der Fashionvictim, die am liebsten rosa trägt oder die Astronautin, die am liebsten daheim putzt. Wir sollten alles sein dürfen und so in der Gesellschaft akzeptiert und sogar unterstützt werden ohne Vorurteile und ohne Hindernisse von außen. Daran müssen wir alle arbeiten! 

Katharina von @katharinaheilen:

Ich wünsche mir, dass noch mehr Frauen zusammenfinden, zusammenhalten und zusammen an ihren Träumen arbeiten. Zusammen können wir so viel mehr erreichen, das müssen wir endlich erkennen. Darüber hinaus wünsche ich mir, dass jede einzelne von uns erkennt, wie stark sie ist. Wie oft hören wir (schon als Kind), dass wir etwas nicht können, nicht klug oder hübsch genug sind? Dabei schlummert in jeder Frau unendlich viel Potential, das wir oft selbst nicht erkennen, bis wir erst einmal angefangen haben.

Ich möchte, dass wir Frauen wieder stolz auf uns sind. Wer trotz allen Problemen und Glaubensätzen für seine Wünsche, Träume und Ziele einsteht und sich selbst mit Würde und Stolz behandelt, ist in meinem Augen eine echte Powerfrau! Ich wünsche mir, dass jede Frau das Leben lebt, welches sie sich wünscht, niemals vergisst, was sie alles erreicht hat und stolz darauf ist. Jede Veränderung beginnt mit kleinen Schritten und bei sich selbst. Es müssen nicht immer die großen Dinge sein, die das Leben verändern.

Und egal, wie viele Fehler du auf deinem Weg machst und wie viele Rückschläge du verkraften musst, gib nicht auf uns sei stolz auf dich.

Melisa von @madamemelisa:

Ich wünsche mir keinen Feiertag, sondern die gleichen Rechte für Alle. Keine Benachteiligung und keine Genderunterschiede. Wir leben im Jahre 2019 und müssen uns ansehen wie Frauen immer weiter in die üblichen Rollenklischees fallen. Allein durch das Kinderkriegen rutschen die meisten Frauen in die Teilzeitjobs. Schlechte Bezahlung, keine Aufstiegschancen und die Rente kann man eh vergessen. Wir müssen gegenseitig für unsere Rechte einstehen und uns empowern, sonst wird das nichts.

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